Olaf Brandmeyer

So wie es war.

80er

1955-2011

Die Nachricht ist noch keine 24 Stunden alt, die Medien sind voll von dem Thema das Tages. Die Einen sind noch erschüttert und die andern längst angepisst von dem ihnen unverständlichen Hype um eine Person: Steve Jobs.

Keine Sorge, hier kommt keine weitere Aufzählung von all den Dingen die er getan hat - ich Scheibe nur ein par Erinnerungen und Gedanken dazu auf, was mich seit heute Nacht umtrieb.

Das ist tatsächlich der erste Tod eines mir nicht persönlich bekannten Menschen, der mich spontan tief bewegt hat. Und dabei habe ich bis jetzt kaum einen Gedanken daran verschwendet, was das nun für die Zukunft der Firma mit dem angebissenen Apfel bedeutet. Es spielt auch eine untergeordnete Rolle, das es nun andere sein werden, die unser aller digitale Zukunft prägen werden. Was aber sehr wohl eine Rolle spielt das ich, wie viele andere Computernerds meines Jahrganges einen treuen und höchst inspirierenden Weggefährten verloren haben. Vielleicht auch einen Helden zu dem wir immer gerne aufgeschaut haben. Eine echte Persönlichkeit, aus einer Branche die noch vor zwanzig Jahren nur Freaks Einblick gewährte.

Meine erste echte Begegnung mit einem Computer war irgendwann 1981 oder 1982. Und es war ein Apple II. Auf ihm absolvierte ich die ersten Programmier-Gehversuche und es war die Initialzündung für ein Hobby und dafür das ich heute jederlei digitalen Krempel als selbstverständliches Werkzeug ansehe. Selbst in den frühen 80ern kam man als angehender Nerd nicht um die Person Steve Jobs herum - und irgendwann war man dann entweder Fan von ihm oder von seinem angeblichen Gegenspieler Bill Gates. Meine Position wahr schnell geklärt und hat sich über fast drei Jahrzehnte nie verändert. Ich habe gerade in der Pionierzeit des Homecomputers so ziemlich alle Systeme benutzt, besessen und wieder aufgegeben... denn ich brannte schon damals nur für die Marke mit dem regenbogenfarbenden, angebissenen Apfel. Bis er endlich zu meinem täglichen Arbeitsgerät wurde, verging aber noch ein Jahrzehnt - denn damals waren die Geräte einfach unerschwinglich für mich.

So ist der Tod einer solchen Person für mich eben auch eine Reise durch die eigene Vergangenheit. Durch 3/4 meines bisherigen Lebens und die Erinnerung daran das man immer auch ein Teil von all den revolutionären Veränderungen dieser Jahre war. Und das es eben genau diese eine Person war, von der man so viel lernte und die gemeinsam mit all den anderen innovativen Köpfen uns das Leben ein Stück leichter gemacht haben.

Doch all dies ändert nichts an der Tatsache, das ich in den Morgenstunden des heutigen Tages hier saß und einfach nur darüber nachdachte wie es ihm wohl in den letzten Stunden ergangen ist und wie es jetzt wohl seinen Lieben ergeht. Das passiert mir sonst nie bei eigentlich Fremden - doch irgendwie ist es beinahe so als habe ich einen Freund verloren.

Farewell.
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Musikalische Meilensteine: Wie alles begann.

Wir schreiben das Jahr 1980. Mein coolstes Kleidungsstück ist ein roter Nicki-Pulli und ich ärgerte mich höchstens darüber, das ich nicht mehr in meine Schaffell-Ledermütze mit runterklappbaren Ohrenschützern passe. Doch es ist sowieso Sommer und ich werde bald 12 Jahre alt: Also Zeit in die Welt hinauszuhören, ob es neben der Hitparade, Boney M , ABBA, Mirelle Mathieu und dem bereits seit drei Jahren verstorbenem Elvis etwas zu entdecken gibt.

Ich war dank des letzten Weihnachtsfestes stolzer Besitzer eines Stereo-Radio-Recorders und verbrachte mindestens zwei Abende die Woche damit, zum richtigen Zeitpunkt auf die orangene Aufnahmetaste zu drücken.

Irgendwann im Sommer 1980 landete dann dann ein Musiktitel auf einer frischen Kassette, der mich für immer prägen sollte. Dabei konnte ich zur damaligen Zeit weder mit dem Begriff „Post-Punk“ noch mit dem frühen Tod von Ian Curtis etwas anfangen.

Mein allererster und allerältester, ganz persönlicher Evergreen! Das wohl bekannteste Lied einer Band, die bis heute unzählige Musiker beeinflusst hat und auf den wunderbaren (wenn auch umstrittenen) Namen „Joy Division“ hört. „Love will tear us apart“ versetzt mich seit nunmehr 30 Jahren in pures verzücken - und die Erinnerungsstürme die es bei jedem Hören auslöst werden von Jahr zu Jahr nur größer und heftiger.


Joy Division - Love Will Tear Us Apart von hushhush112
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