Das Jahr 2011 war musikalisch recht durchwachsen... folgendes ist mir jedoch besonders in Erinnerung geblieben:
Mein Album des Jahres: Rome / Die Ästhetik der Herschafftsfreiheit
Was heißt hier Album - eine Trilogie - und was für eine. Ohne Übertreibung darf man es als Meisterwerk bezeichnen! Danke Jerome Reuter.
Mein Lied des Jahres: Agnes Obel / Riverside (Lulu Rouge Remix) Das Original ist auch toll, wie auch das ganze Album „Philharmonics“. Aber mit diesem Remix hat mich das Lied immer wieder aufs neue gefesselt.
Mein Musikvideo des Jahres: Woodkid / IRON Am besten Fullscreen und in HD gucken!!! Ich glaube zwar kaum das mich der Künstler auch weiterhin groß interessieren wird und ich kann schon garnix mit dem Videospiel anfangen, das mit diesem Lied beworben wurde... aber die Kombination Video+Musik machen dieses für mich unangefochten zum Spitzenreiter dieses Jahr.
Musikfilm des Jahres: Sigur Rós / INNI Ein kleiner Ausschnitt:
Eigentlich ist das der beste Konzertfilm, den ich bisher überhaupt gesehen habe... mal sehen ob danach noch irgendwas kommt.
Meine Musikalische Entdeckung des Jahres: Hildur Guðnadóttir Man höre und staune - z.B. „Unveiled“ aus dem 2009er Album „Without Sinking“
Unglaublich, was eine Frau allein mit einem Cello und etwas Technik anstellen kann.
Live-performance des Jahres: Pamela Falcon & Percival / Purple Rain
Das musste ja eines Tages passieren... ich verliebe mich in einen Live-Auftritt bei einer Casting-Show... Aber The Voice of Germany ist bisher eine höchst löbliche Ausnahme unter dieserart Shows - und dieser Auftritt ist schlicht und ergreifend ein Meisterstück. Auch nach dem drölfhundersten Mal hören bekomm ich noch Gänsehaut!
Nein, ich rede nicht von stimmulierenden Substanzen, die man sich in unpassender Menge verabreichen kann. Ich meine auch garnicht die mir, von Natur aus, höchst unangenehme Überdosis Mensch, die regelmäßig zuerst meinen Kreislauf und dann meinen Verstand an den Rande des Zusammenbruches bringt. Und ich bin der festen Überzeugung, dass auch das Überangebot an Informationen und Wissen, was ich mir täglich reinschraube keinen weiteren Schaden ausrichten kann...
Aber spätestens an dem heutigen Tage ist mir bewusst geworden, das ich in einem überschaubaren Zeitfenster an einer massiven Überdosis Kommunikation verrecken werde.
Lange hat es gedauert, mein Umfeld an meine komische Zeitzone zu gewöhnen. Meinen Hauptkommunikationsweg habe ich auch deshalb bereits sehr früh auf Email umgestellt, denn es war immer eine prima Sache, genau dann antworten zu können, wenn es mir in den Kram passt und nicht dauernd vom Telefon aus dem Zusammenhang gerissen zu werden. Doch die schiere Menge an Emails und sonstigen Nachrichten die heutzutage so auf einen einprasselt haben irgendwie dazu geführt, dass ich mittlerweile oft auf Mails schneller antworte als andere ans Telefon gehen. Gelingt das nicht bleiben nicht nur die ungeschriebenen Antworten im Kopf, nein spätestens ne halbe Stunde später klingelt dann auch das Telefon: Warum man nicht geantwortet hat - oder warum man so umfangreich geantwortet hat, da könne man jetzt aber nicht drauf wechseln - oder warum man das nicht bestätigt hat... achso, es ist schon längst erledigt... oder wasauchimmer.
Nein! Mein Vorwurf geht nicht gegen "die Anderen". Jeder versucht nur nach seiner Fasson, mit seinem persönlichen Overkill, fertig zu werden. Der Vorwurf geht an mich selbst: Denn ich sollte es besser wissen! Ich habe schon einmal, vor über einem Jahrzehnt, eine berufliche Laufbahn aufgegeben weil ich zu dabei zu viel telefonieren musste...
Substanzen kann man entsagen. Vor zu vielen Menschen schützen mich sehr effektiv die eigenen vier Wände. Statt ständig neue Informationen aufzusaugen kann ich mich auch prima mal mit bekanntem auseinandersetzen. Das Telefon kann ich abstellen oder missachten, ohne das es mir gleich übel genommen wird und einen Anrufbeantworter braucht heute kein Mensch mehr - denn es gibt ja die Mail. Ist ja auch 'ne tolle Sache so eine Mail. Ich kann selbst bestimmen, wann ich sie lese und wann ich darauf antworte. Und ich könnte mir Filterregeln basteln: Die Guten in Kröpfchen und die Schlechten auf den Stapel. Aber lesen und beantworten muss ich sie doch irgendwann.
Leider ist es einer Überdosis egal, ob sie über den Tag verteilt oder auf einen Schlag eingenommen wird.
Die Nachricht ist noch keine 24 Stunden alt, die Medien sind voll von dem Thema das Tages. Die Einen sind noch erschüttert und die andern längst angepisst von dem ihnen unverständlichen Hype um eine Person: Steve Jobs.
Keine Sorge, hier kommt keine weitere Aufzählung von all den Dingen die er getan hat - ich Scheibe nur ein par Erinnerungen und Gedanken dazu auf, was mich seit heute Nacht umtrieb.
Das ist tatsächlich der erste Tod eines mir nicht persönlich bekannten Menschen, der mich spontan tief bewegt hat. Und dabei habe ich bis jetzt kaum einen Gedanken daran verschwendet, was das nun für die Zukunft der Firma mit dem angebissenen Apfel bedeutet. Es spielt auch eine untergeordnete Rolle, das es nun andere sein werden, die unser aller digitale Zukunft prägen werden. Was aber sehr wohl eine Rolle spielt das ich, wie viele andere Computernerds meines Jahrganges einen treuen und höchst inspirierenden Weggefährten verloren haben. Vielleicht auch einen Helden zu dem wir immer gerne aufgeschaut haben. Eine echte Persönlichkeit, aus einer Branche die noch vor zwanzig Jahren nur Freaks Einblick gewährte.
Meine erste echte Begegnung mit einem Computer war irgendwann 1981 oder 1982. Und es war ein Apple II. Auf ihm absolvierte ich die ersten Programmier-Gehversuche und es war die Initialzündung für ein Hobby und dafür das ich heute jederlei digitalen Krempel als selbstverständliches Werkzeug ansehe. Selbst in den frühen 80ern kam man als angehender Nerd nicht um die Person Steve Jobs herum - und irgendwann war man dann entweder Fan von ihm oder von seinem angeblichen Gegenspieler Bill Gates. Meine Position wahr schnell geklärt und hat sich über fast drei Jahrzehnte nie verändert. Ich habe gerade in der Pionierzeit des Homecomputers so ziemlich alle Systeme benutzt, besessen und wieder aufgegeben... denn ich brannte schon damals nur für die Marke mit dem regenbogenfarbenden, angebissenen Apfel. Bis er endlich zu meinem täglichen Arbeitsgerät wurde, verging aber noch ein Jahrzehnt - denn damals waren die Geräte einfach unerschwinglich für mich.
So ist der Tod einer solchen Person für mich eben auch eine Reise durch die eigene Vergangenheit. Durch 3/4 meines bisherigen Lebens und die Erinnerung daran das man immer auch ein Teil von all den revolutionären Veränderungen dieser Jahre war. Und das es eben genau diese eine Person war, von der man so viel lernte und die gemeinsam mit all den anderen innovativen Köpfen uns das Leben ein Stück leichter gemacht haben.
Doch all dies ändert nichts an der Tatsache, das ich in den Morgenstunden des heutigen Tages hier saß und einfach nur darüber nachdachte wie es ihm wohl in den letzten Stunden ergangen ist und wie es jetzt wohl seinen Lieben ergeht. Das passiert mir sonst nie bei eigentlich Fremden - doch irgendwie ist es beinahe so als habe ich einen Freund verloren.
The round pegs in the square holes. The ones who see things differently. They’re not fond of rules. And they have no respect for the status quo. You can quote them, disagree with them, glorify or vilify them. About the only thing you can’t do is ignore them. Because they change things. They push the human race forward. And while some may see them as the crazy ones, We see genius. Because the people who are crazy enough to think they can change the world, Are the ones who do.“
Thank you for three decades of Inspiration. Thank you for see things differently. Farewell.
Irgendwie merkt man doch sehr, das ich in den letzten Jahren meistens mit den selben Menschen unterwegs war. Für den Betrachter vielleicht etwas eintönig - für mich nur der Beweis, das ich die richtigen Freunde habe!
So. 02. Oktober 2011 - Abgelegt in: Website | Photos
Irgendwie tue ich mich seit langem schwer damit zu entscheiden, welche Photos ich der Öffentlichkeit zum Fraß vorwerfe. Das ist auch ein Grund, warum es in den letzten Jahren so wenig von mir zu sehen gab. Der Andere noch viel entscheidendere ist leider, dass ich kaum dazu gekommen bin mal wieder aus Spaß die Kamera in die Hand zu nehmen. Doch genau das sind die Bilder, die ich hier zeigen möchte.
Fangen wir also mit meiner brennendsten Leidenschaft - dem Polaroid an. Ein wenig von dem, was ich schon gescannt auf meinem Rechner gefunden habe - deshalb im Augenblick auch einiges bereits gesehene. Ich muss mal wieder den Scanner warmlaufen lassen...
Wieso verweist brandmeyer.info jetzt hierher - und wo ist denn der tumblr-blog geblieben? Selbiger ist in Zukunft unter brandmeyer.tumblr.com zu finden. Ob ich Ihn zu Gunsten dieser neuen Website ganz aufgebe, wird sich in den nächsten Tagen zeigen. Bis dahin bastele ich erstmal an dieser Homepage.
Brandmeyer.de wurde derweil wieder seiner ursprünglichen Bestimmung zugeführt :-)
Sozialen Netzwerke sind in schönes Spiegelbild für das widersprüchliche denken und Empfinden von so manch einem Zeitgenossen. Regelmäßig findet man Aufrufe und Appelle die jedes Tierschützer-Herz zum bluten bringen und nicht selten entwickeln sich dann mehr oder weniger konstruktive Diskussionen darüber, was man besser machen kann und wie Menschen nur so grausam und brutal zu Tieren sein können. In eben so einer Regelmäßigkeit finden sich dann aber die Beiträge (überwiegend weiblicher) Aspiranten, dass sie wieder einmal Besuch von einer mindestens faustgroßen Spinne in Ihrem Domizil hatten. Diese Unterhaltungen enden dann meistens in mehr oder weniger brauchbaren Tips zur Beseitigung/Tötung dieser unerwünschten Mitbewohner. Betrachtet man sich die Verfasser all dieser Kommentare dann genauer erkennt man früher oder später eine seltsame Schnittmenge: Sie wird angefüllt mit Menschen die sich auf der einen Seite vehement für den Schutz unschuldigen Lebens engagieren, vielleicht sogar auf den Verzehr von Fleisch verzichten - auf der anderen Seite aber nicht hadern, wenn sie sich von einem centstückgroßen Achtbeiner bedroht fühlen - diesen auch zu erschlagen oder aufzusaugen oder sonstwas. Nun kann man lange darüber diskutieren, ob und in wie fern das Eine nichts mit dem Anderen zu tun hat. Über die Unterschiede von Säugetieren und Insekten sinnieren oder sich die Frage stellen, ob eine Milbe bereits so viel Persönlichkeit hat wie eine Vogelspinne. Doch für mich fängt der gebotene Respekt vor der Kreatur genau da an, wo Andere bereits bedenkenlos zuschlagen. Und ich werde vermutlich nicht aufhören mich darüber zu wundern, dass so viele Menschen selbst bei diesem Thema so gerne mit zweierlei Maß messen.